• eramatare

Ich kam ohne ein bestimmtes Ziel

Ich könnte es nicht treffender formulieren als Ryscard Kapuściński:


"Ich kam ohne ein bestimmtes Ziel nach ... (Tansania). Im Allgemeinen sagt man, es sei gut, ein genau umrissenes Ziel zu haben, weil der Mensch dann etwas will und anstrebt. Andererseits legt ihm eine solche Situation Scheuklappen an: er hat nur noch sein Ziel vor Augen und sonst nichts. Dabei kann dieses Mehr, dieses Weitere, Tiefere viel interessanter und wichtiger sein. In eine andere Welt einzudringen bedeutet, in ein Geheimnis einzudringen, und dieses kann so viele Labyrinthe und Schlupfwinkel, so viele Rätsel und Unbekannte in sich bergen...."

Ja, außer, dass ich zu Beginn meiner Reise Kairas Projekt (mit eurer Hilfe!) unterstützen wollte, hatte ich keinen Plan für diese sieben Wochen. Wirklich keinen!


Autopannen und tja, leider ein paar Tage Krankheit, waren sowieso nicht vorgesehen.


Wie hätte ich ahnen können, dass ich eine ganze Woche alleine mit vier Kindern in Arusha bleibe? Dass ich mit dem Großen, Kaley (14), die Abhänge des nahegelegenen Mount Meru erkunde, wir kämpferisch Brennesselfelder durchqueren und Steigen folgen, Hauptsache bergauf, uns im Gleichklang an der zunehmend ursprünglicheren Vegetation erfreuend, immer tiefer in den herrlichen Nebelwald vordringend?


Wie hätte ich vorher wissen können, dass sich drei Kinder am Sofa zu mir kuscheln und auf mir einschlafen werden? Dass wir es trotz mangelnder gemeinsamer Sprache lustig haben? Dass wir ausgelassen in der Küche tanzen?


Ich hatte vorher keinen blassen Schimmer davon, dass ich Kaira Geld gebe, damit er sich endlich ein Auto kaufen kann, das er zum Helfen und zum Führen nutzen kann, zum Verdienen und damit wieder zum Helfen.

...


Ich bin beeindruckt, wie selbstständig die Kinder sind. Die Größeren schauen auf die Kleineren. Wenn Kaley und ich unterwegs sind, ist die siebenjährige Kallaine die Chefin. Sie wärmt das vorbereitete Essen auf, wäscht ab, kehrt oder wischt den Boden.

Während dieser Tage haben sie zu viert zweimal ihre Wäsche gewaschen, aufgehängt, abgenommen, verräumt. Unaufgefordert.


Natürlich streiten sie sich auch, die Charaktere, Wünsche und Vorstellungen sind verschieden.


Der kleine, wilde Ondinina (4) ist mein Kuschelbär. Er nimmt mich einfach bei der Hand, blinzelt mir zu und führt mich zum Sofa. Dort legt er den Kopf an meine Brust, lässt sich streicheln und ruht für eine gute Weile locker und entspannt auf mir wie ein schlafendes Baby. Bis er wieder aufspringt, im Gegenzug meinen Kopf steichelt und seiner Wege geht. Ein hochintelligenter, charmanter Kerl!



In der Mitte: Ein Afrikanischer Feigenbaum. Bei den Ureinwohnern der verschiedensten Stämme ein Heiliger Baum. Noch heute finden in seinem Schatten Zeremonien statt. Intuitiv war dessen Schutz, er wurde erst von den weißen Einwanderern gefällt, richtig und wichtig, da dieser Baum großen Einfluss auf den Wasserhaushalt des Bodens hat.



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