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Kaira: tatkräftig, mutig, unverzagt, lösungsorientiert, weise

Kaira ist Massai, lebt aber in Arusha, drei Fahrstunden von seinem Boma entfernt...


Sein Vater hat vier Frauen und 34 Kinder, wovon Kaira der Drittgeborene ist. Bei den Massai zeigte sich der Reichtum bislang in der Anzahl der Rinder und Ziegen. Und der Anzahl der Kinder. Schon vierjährige Burschen werden den ganzen Tag zum Ziegenhüten hinausgeschickt.

Ohne Jause, ohne Getränk.


Ja, und dann kam Kaira. Woher der Gedanke kam, weiß er nicht, aber er wollte zur Schule. Unbedingt! Ziegenhüten und Schule lassen sich nicht vereinbaren, doch wie jeder weiß: wo ein starker Wille, da ein Weg.

Er war erst sieben als er täglich ebenso viele Kilometer hin und zurück zur Schule gehen durfte. - Als er vierzehn Jahre war und diese Schule beendet hatte, war seine Zeit zum Rinderhüten gekommen. Meinte sein Vater. Kaira aber wollte weiterlernen und lief davon. Mit nichts als seiner festen Absicht im Gepäck wanderte er vier Tage lang nach Arusha, auf Umwegen, damit niemand ihn fände, aus Angst vor Hyänen sogar auf einem Baum übernachtend. Weitere vier Tage schlief er versteckt auf Dächern Arushas, sich von weggeworfenen Bananenschalen ernährend, bis er die richtige Behörde fand und tatsächlich Zugang zu einer öffentlichen Schule samt Internat erlangte.

Er hatte nichts. Wenn er seine Kleidung wusch, musste er warten, bis sie wieder trocken war, er hatte kein Teil zum Wechseln. Man kann sich vorstellen, wie sehr am Rande der Schulgemeinschaft er stand und dass er gehänselt wurde. Er war der Einzige, der in den Ferien nicht nach Hause fuhr, zum einen aus Mittellosigkeit, aber auch aus Angst, er müsste dortbleiben. Im Tausch gegen seine Arbeitskraft durfte er in einem Klassenzimmer schlafen, das Internat war ja ferienbedingt geschlossen. Er pflanzte Bäume, half, was immer zu tun war. Er diente auch bei einer benachbarten Familie, die ihm dafür Essen gab. Später verdingte er sich während der Ferien als Träger auf den Kilimanjaro, ein schlecht entlohnter Knochenjob. Er tat alles, um sich Bücher und Hefte und, ganz zum Schluss, neue Kleider kaufen zu können.


Als er 21 Jahre alt und die Schule zu Ende war, kehrte er anlässlich der nur alle sieben Jahre stattfindenden Beschneidungszeremonie nach Hause zurück, um ein erwachsener Mann, ein "Warrior" zu werden. Die Beschneidung ist der Eintritt in die Welt der vollen Verantwortung für die Gemeinschaft und nur wer das Ritual, ohne mit der Wimper zu zucken, besteht, hat künftig etwas zu sagen.


Dass das Wiedersehen mit dem Totgeglaubten mit einem eigenen, großen Fest freudig gefeiert wurde, sei erwähnt.


Und da, wo Kaira zu seinen Wurzeln zurückkehrt, spürt er seine Berufung. Wozu hat er gelernt, wenn nicht, um seiner Gemeinschaft zu dienen?

Die Tradition der weiblichen Genitalverstümmelung soll enden, so althergebracht sie auch sei! Weniger Kinder"Reichtum" brächte eine Erleichterung. - Und Bildung ist Kairas Weg zum Ziel! Denn wie soll man etwas anders oder anderes machen, wenn man nichts anderes kann und kennt?

Er hat noch immer wenige Mittel, doch das hält ihn nicht ab, zu beginnen. Die Kinder lernen im Schatten eines Akazienbaums Suaheli. Die offizielle Sprache Tansanias ist Bedingung für einen späteren Schulbesuch. Mit einer Handvoll Kinder hat er begonnen, inzwischen kommen an die siebzig ab drei Jahren. Wenn sie Ziegen hüten können, können sie auch lernen, lautet Kairas Ansage! Beim Boma seiner Großmutter darf er einen Klassenraum errichten, sodass Regen kein Unterrichtshindernis mehr darstellt, außerdem lässt er eine Wasserleitung legen. Zwei ansässigen "Lehrern", die sowohl Maa als auch Suaheli sprechen, zahlt er monatlich je $ 100,-.

Er beginnt, besonders begabte Kinder zu fördern, indem er ihnen einen weiterführenden Besuch an Internatsschulen ermöglicht. Die Ausgaben pro Internatskind und Jahr betragen in etwa $ 1000,-, was sich summiert. - Die Coronakrise hat auch in Tansania dem Tourismus, und damit Kairas Einnahmen als geprüftem Guide, stark zugesetzt! Und so kommen eure Spenden gerade rechtzeitig, um ausstehende Gehälter, Schulgelder und Materialien zu bezahlen und die Zukunft der Kinder zu sichern sowie die Mädchen vor Verstümmelung und früher Verheiratung zu bewahren.



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